Weltreise Start: Gedanken im Flieger

30.01.2016 – Der Abschied

Auch wenn wir ja nicht auswandern, fühlte es sich in dem Moment einfach doch irgendwie so an. Es ist komisch, so viel hat man über Weltreisen gelesen, über die Vorbereitungen für eine Weltreise… aber… dass der Abschied auf Zeit vor dieser Reise einen so mitnimmt und gleichzeitig so die Augen öffnet… das nicht.

Auf einmal sieht man deutlicher als je zuvor, dass man ohne die Familie nie wäre, wo man jetzt gerade ist. Dass man nur dadurch in der Lage ist, sich das alles zu erfüllen. Es trifft dich, wenn die Eltern dich mit Tränen in den Augen umarmen, nicht loslassen möchten und man wohl zum ersten Mal so richtig versteht, was unser Traum für sie bedeutet. Loszulassen. In eine Welt, bei der sie uns keinen Rat mitgeben können, außer: „Passt gut auf euch auf…“.

Die Dankbarkeit, dass sie einen dennoch so unterstützen und stärken und sagen, dass wir es tun sollen, ist in dem Moment kaum zu beschreiben. Bei jeder Vorbereitung: Ein Tschüß-Sagen kann man nicht vorbereiten. Erst recht nicht, wenn die kleine Nichte auf dem Arm schläft und einen zufrieden anschaut und dann in die Hose pupst. Ich hätte sie am liebsten nie mehr losgelassen…

31.01.2016 – Der Anfang

Weltreise Chucks
Der Wecker klingelte. 7 Uhr. Wir haben in Schlafsäcken geschlafen, da unsere Matratze bereits weg ist und die Bettwäsche genauso. Ich bin mit Kopfschmerzen aufgewacht und noch verheulten Augen. Da stellt man sich jahrelang vor, triumphierend mit dem Rucksack das Haus zu verlassen bevor es auf eine Weltreise geht und dann geht man raus und sieht aus wie nach einer durchzechten Nacht. 😀

Wir duschten, packten unsere Rucksäcke, schnürten sie zu. *Klick – klick*, festgeschnallt. Die Tür klingelte, der Untermieter war da.

Schlüsselübergabe. Er hatte einen Freund mitgebracht, der die Kartons mit hoch trug. Er schaute auf unsere Rucksäcke. „Wohin geht’s? Spanien?“ Njoa, fast.

„Hast Du Reisepass?“ – „Jop.“ – „Ladekabel?“ – „Jop.“ Und kurz bevor wir die Tür verließen, haben wir fast die Tickets an der Wand hängen lassen, die wir dorthin gepinnt hatten 😀

Als wir am Flughafen ankamen, mussten wir irgendwie lachen. „Raffst du’s jetzt?“ und Daniel sagte nur lachend: „Nö, ich fühl mich so…’joa, da bin ich halt jetzt am Flughafen.’“ Ja, das brachte es auf den Punkt…

Ab zum Online CheckIn Schalter. Geht ja schneller. Pft. Als ob. Genau die gleiche Schlange, wie sonst auch.

Nachdem noch Freunde uns am Flughafen überrascht hatten, weil wir nicht mehr dazu kamen uns persönlich vorher zu verabschieden („Ich hab nur nach Chucks gesucht auf dem Boden und euch dann gefunden!“ 😀 ), winkten wir am Gate. Wie im Film. Freunde. So unfassbar viel wert.

„Ihr werdet das rocken!“ Oh Gott ja, das werden wir. Zwei Umschläge wurden noch in die Hand gedrückt… sie sind noch geschlossen im Rucksack, der in der Sekunde zwischen meinen Füßen steht.

Es ist 18:14 Uhr deutscher Zeit am Sonntag, ich tippe gerade diese Zeilen, während wir über die Türkei fliegen und es sind noch 2 Stunden und 20 Minuten, bis wir in Dubai landen, um umzusteigen.

Wir haben gegessen, wir haben uns zurückgelehnt und mit jedem Meter, den wir näher ans Ziel kommen, wird es ein klitzeklein wenig realer. Wir beginnen zu entspannen, nach so viel Hektik und Chaos in letzter Zeit mit den Vorbereitungen. Als der Flieger sich langsam in Bewegung setzte, abhob und man die Sekunde spürte, in der man den deutschen Boden verließ, liefen mir leise die Tränen, Daniel schaute mich nur an und lächelte mit feuchten Augen. So fühlt sich wohl der Anfang von Freiheit an.