Unser erster Vortrag beim Travel Festival
Kopfhörer rein, Musik an, ich fing an zu tippen.
Eigentlich wollten wir einen FacebookPost zum Travel Festival und unseren Vortrag schreiben.
Und mit jeder Zeile, die ich schrieb, merkte ich einmal mehr, wie viel uns dieser Tag eigentlich bedeutete.

So, wie ich meinen Tag der Kündigung verewigte…
So, wie Daniel seinen Tag, an dem er seine fertige Masterarbeit festhielt…
So, wie den Tag, an dem wir im Flieger nach Malaysia saßen und unsere Gedanken hier niederschrieben….

So muss auch einfach dieser Tag vom Travel Festival auf unseren Blog.
Weil unser Blog genau deswegen existiert: Um Momente wie diese in unserem digitalen Wohnzimmer festzuhalten.

Ich weiß, es klingt womöglich etwas übertrieben „Der Tag bedeutete uns so viel“… immerhin war es „einfach nur“ ein Vortrag in Witten und kein Auftritt bei der Oskar-Verleihung. Aber… für uns steckte mehr dahinter, als der Fakt, dass es unser erster Vortrag war.

Viel mehr.

Wir saßen am 2.2.2015 daheim und haben unseren Blog in die große weite Welt gesetzt.

Online.
Für jeden einsehbar.
Für jeden aufrufbar und auffindbar. Unser digitales Wohnzimmer, auf welchem unsere persönlichen Erlebnisse stehen sollten, unsere Eindrücke verewigt werden sollten.
Wir schrieben den ersten Beitrag – ihn haben vielleicht 10 Leute gelesen.
Aber wir waren stolz wie Oskar! Weniger über die Zahl (auch wenn wir diese vor 2 Jahren verflucht hoch fanden), als viel mehr über die Möglichkeit, die uns die Plattform bietet:

Menschen zu erreichen.

Anfangs standen wir mit der Idee unserer Weltreise noch recht einsam mit unserer Begeisterung da. Das Umfeld konnte es wenig nachvollziehen, die Familie machte sich bereits jetzt Sorgen, ob wir mit unserer Orientierung überhaupt raus aus Deutschland finden. Und vor allem… wieder zurück.
Und so teilten wir unsere Gedanken Im Internet.
Im transparenten Internet, das die Menschen nicht mehr im echten Leben kommunizieren lässt und vor den Bildschirm zieht, statt in die reale Welt hinauszugehen.
Ja, diese Jugend von heute.
Wir teilten mit wildfremden Menschen unsere Gedanken, sie lasen unsere Zeilen, die in unseren Köpfen schwirrten.

Und dann kam er.

Der erste Kommentar. Der erste Like auf Facebook. Die erste Nachricht. Die erste Mail. Menschen, die uns schrieben, dass sie uns alles Liebe wünschen, die uns ermutigten und uns von ihrer Geschichte erzählten. Die unseren Countdown zur Weltreise mitzählten, unsere Planung der Weltreise mitverfolgten und es nicht erwarten konnten, sich mit uns freuten. Menschen, die mitfieberten und denen wir uns plötzlich nah fühlten.
Sie fragten, wie wir uns dazu durchringen konnten.
Wie wir es unseren Eltern sagten. Fragten, wie sie reagiert haben. Und wie wir mit unseren Ängsten umgehen? Ob wir denn keine hätten? Ob uns das alles leicht fällt?

Wir tauschten uns aus und sahen, wie unfassbar viele Menschen es hier draußen gibt, die genau die gleichen Ängste, Wünsche, Sorgen, Träume und Gedanken teilen.

Wir flogen los. In unsere Weltreise.

Das Umfeld konnte uns immer noch nicht so ganz verstehen, aber das mussten sie nicht. Wir wussten, dass es keine verrückte Idee ist, kein bekloppter Einfall. Wir wussten, dass es viel mehr davon dort draußen noch gibt und wir nur zwei von vielen Träumern waren, die es einfach wagen wollten.

2 Jahre später und wir stehen in Witten.

Travel Festival

Foto: Laura Möllemann

Sand zwischen den Füßen.
Mikro in der Hand.
120 Menschen vor uns.
Die Leinwand zeigt die Atacama-Wüste.
Und uns.
Wir beim Travel Festical Vortrag

Besucher beim Travel Festival in Witten
Wir standen in Witten mitten im Travel Festival! Doch statt 40 Minuten von unseren tollsten Erlebnissen zu erzählen – erzählten wir von genau diesen Fragen, die uns von Anfang an immer und immer wieder erreichen: Wie kam es zur Weltreise? Hattet ihr keine Angst? Keine Hürden? Keine Abers?
Oh doch.
Die hatten wir.
Und wir erzählten davon.
Bis wir am Ende ein Foto aus New York auf die Leinwand spielten. Es war unser letzter Stop der Weltreise im Dezember. Der letzte Stop, bevor es heim ging und der letzte Stop, an dem wir uns auf dem Rockefeller Center stehend klarmachten, was für ein gigantisches Jahr wir erleben durften – und dass wir es geschafft haben: zu machen. Und dann…

…stehste da vor 120 Leuten und flennst los.

Und ich habe mich nicht eine Sekunde blöd gefühlt. Ich habe genossen, dass Freudentränen liefen und wusste, dass jeder einzelne das verstehen konnte – weil wir unter Gleichgesinnten waren.

Zum Beispiel waren wir hier mit Sara & Marco von Love&Compass.
Die ihre Jobs aufgegeben haben und genauso wie wir um die Welt reisen. Wir hatten die beiden für 2 Nächte bei uns und es hat einfach alles in uns aufblühen lassen: Wir unterhielten uns stundenlang ohne es zu merken über Gott und die Welt (und Social Media). Über Träume, Pläne, Vergangenheit und einfach auch Blödsinn. Als würden wir uns von Kleinauf kennen. „Wir wollen gar nicht fahren“, sagte Sara am Ende, bevor sie nach Andalusien ans Meer fliegen wollten.

Genauso saß Tobi von ACME mit uns im Sand. Der einen Vortrag über seine Afrika-Tour hielt und wie er mit dem kleinsten Geländewagen die besten Erlebnisse mit Mensch und Tier hatte.

Oder Christian von sy Zero, der sich ein Segelboot schnappte, alles verkaufte, was er besaß und den Ozean bis nach Hawaii überquerte.

Oder Stephan von Life In Postcards, der das Motto „Weniger nachdenken. Einfach machen“ lebt und nun eine Dokumentation über den Klimawandel in Planung hat.

Nicht zu vergessen Laura, die das ganze Travel Festival geschmissen hat und innerhalb weniger Wochen auf die Beine gestellt hat. Es war ihr erstes Event, das sie allein auf die Beine gestellt hat und wir können euch versprechen: Im gesamten Event, in jedem Detail und jeder Bemühung steckte ihr gesamtes Herzblut und das höchste an Nervosität…

Zuschauer in Witten

Foto: Laura Möllemann

Travel Festival Crew
Travel Festival alle zusammen
Und dann wart da ihr.
Die, die unsere Reise verfolgten, mitfieberten, uns nach dem Vortrag angesprochen haben mit den Worten: „Ihr wart der Anstoß, dass ich es nun selbst auch wage! In zwei Wochen geht es los!“
Ein Pärchen, das ihren Hochzeitstag hier verbrachte, weil sie so sehr das Reisen lieben und bald auf Reisen gehen werden!
Menschen, die gerade mitten in der Planung stecken und hoffen, 2018 unterwegs sein zu können.
Noch mehr Menschen, die gerade dabei waren alles zu verkaufen, uns nach Erfahrungen fragten und wir uns gegenseitig austauschten.
Besucher beim Vortrag

Und noch jemand.
Jemand, der vor uns stand und sagte: „Ich wollte eigentlich schon unterwegs sein. Aber mir fehlte der Mut zu kündigen. Heute will ich mir die Motivation holen – um morgen zu kündigen.“
Leute, wir sagen euch: Gänsehaut pur. Wortwörtlich. Es war so ein grandioser Tag, wie wir ihn niemals erwartet hätten…

Der Besitzer hatte die Location bereits abgeschlossen.

„Ihr könnt noch draußen sitzen bleiben, wenn ihr mögt.“
Wir blieben sitzen. Bis 0 Uhr. Und quatschten über Erlebnisse aus aller Welt. Es war schon längst stockduster, Mücken haben uns zerstochen, aber die Geschichten ließen uns fühlen, als würde in der Mitte das Lagerfeuer knistern.

Umgib dich mit Leuten, die dir gut tun und dich motivieren, statt runterzuziehen.

So heißt es. Denn Am Ende ist es dein Umfeld, das bestimmt, wie du dein Leben gestaltest.
Ein Satz, der mehr als wahr ist und den wir uns sehr zu Herzen genommen haben die letzten Jahre.
Und ein Satz, der das Motto des Travel Festivals hätte sein können.
Denn jeder war umgeben von Gleichgesinnten, die sich gegenseitig motivierten, Zuspruch gaben und wohlfühlen ließen.
Ja, vielleicht kann das Internet ja auch dafür sorgen, dass Menschen an einem Tag wie diesem zusammenkommen und ihren Mut finden, ihre Träume zu Plänen umzuwandeln. Und erst recht in die reale Welt hinauszuziehen!

Foto: Laura Möllemann

Übrigens

Dem jungen Mann, der Montag kündigen wollte, haben wir gesagt, dass wir nachhaken werden, wenn er sich nicht meldet.
Er hat sich gemeldet.
„Sitze gerade noch in der Firma, mit der Bestätigung meiner Kündigung!“

Stop acting like you live twice